Workshop: Schmuck selbst herstellen 

„Gar nicht so einfach, wie es aussieht.“ Sascha Wesolek (30) betrachtet den silberfarbenen Herzanhänger in seiner Hand, dreht und wendet ihn.


Karl-Heinz Taubenberger (r.) half Sascha Wesolek beim Schmuckherstellen
Foto: Grönewäller

Der junge Mann in Jeans, blauem Polohemd und schwarzen, flachen Turnschuhen schmiedet gerade das erste Schmuckstück seines Lebens. Doch der sportliche Typ mit hochgegeltem, dunkelblondem Haar hat nicht etwa seinen ersten Tag als Auszubildender zum Goldschmied.

Sascha Wesolek möchte seiner Freundin zum Geburtstag ein außergewöhnliches Geschenk überreichen: Ein selbstgeschmiedetes Schmuckstück.

Herz zu Papier gebracht

Zwei Stunden ist Sascha schon dabei. Die Idee, einen Anhänger schmieden zu wollen, hatte er schon bevor er herkam. „Hier hat er dann das Herz zu Papier gebracht“, erzählt Goldschmied Karl-Heinz Taubenberger (55). Ihm gehört die Werkstatt mit angrenzendem Verkaufsraum im Herzen Huckardes. Seit einem Jahr bietet Taubenberger seinen Kunden die Möglichkeit, Schmuckstücke selbst zu fertigen.

Silber walzen, das Papierherz auf das Vierkant aus edlem Metall kleben und das Herz aussägen sind die Arbeitsschritte, die Sascha schon erfolgreich gemeistert hat. „Das Herz von Innen aussägen ist immer besonders knifflig“, sagt Taubenberger. Sascha hat es geschafft. Jetzt muss das Herz nur noch „schön“ gemacht werden.

Mit Rat und Tat Bedeutet: Der Amateur-Goldschmied feilt die Kanten rund – das erhöht den Tragekomfort – und poliert das Herz mit einer Maschine, die einem Schuhputzautomaten aus Hotels ähnelt. Taubenberger begleitet seine Werkstatt-Gäste bei jedem Arbeitsschritt und steht mit Rat und Tat zur Seite. „Ich sitze daneben, arbeite selbst und wenn ich helfen kann, dann helfe ich.“ Ständig, so scheint es, hat er seinen „Gesellen auf Zeit“ im Blick. Plötzlich lacht der Goldschmied auf und sagt angesichts der leicht verknoteten Finger seines Gastes: „Ich habe Sorge, dass er sich gleich die Finger durchbricht“

Warum selber machen

Der krönende Abschluss des Arbeitstages: Meister und Schüler setzen einen kleinen Stein in die obere Ecke des edlen Herzens.

Bleibt noch eine Frage: Warum betreibt Sascha den Aufwand und fertigt das Schmuckstück selbst? Der junge Mann kneift die Augen zusammen, seine Mundwinkel wandern nach oben und kündigen ein sanftes Lächeln an: „Wenn man es selber macht, kommt es von Herzen“.